Ein bewegender Text zur Osterzeit

 

Wie das Rotkehlchen & das Rotschwänzchen zu ihren Namen kamen

 

Es war einmal ein kleiner grauer Vogel. Und weil er so klein, ein bisschen pummelig und gar nicht hübsch war, wollte auch kein anderer Vogel mit ihm spielen. Traurig hüpfte er von Ast zu Ast und schaute den anderen Tieren zu, wie die miteinander spielten. Auch Kindern schaute er oft und gerne zu. Gern hätte er auch mit ihnen gespielt, aber das traute er sich nicht.

 

Eines Tages traf er auf einen Vogel, der zwar schlanker und auch ein klein wenig größer war als er, der aber genauso einsam und alleine auf einem Ast saß.

 

„Was machst du hier?“, piepste der kleinere den größeren an.

„Was soll ich schon machen?“, antwortete der andere.

„Ich langweile mich, weil niemand mich mag und mit mir spielt. Schau doch nur. Ich habe kein schönes Federkleid, es ist nur grau, braun und schwarz. Wer will schon mit so einem spielen?“

„Siehste“, sagte der Kleine wieder, „so geht es mir auch. Schau mich an. Sehe ich dir nicht ähnlich?“

 

Die beiden Vögel machten sich bekannt und beschlossen bald Freunde zu werden. Seitdem hat jeder von ihnen einen Spielkameraden. So flogen sie gemeinsam von einem Garten zum anderen, von einem Strauch zum nächsten und freuten sich ihres Lebens.

Eines Tages aber, sie saßen auf der Stadtmauer von Jerusalem, sahen sie, wie eine große Menschenmenge durch das Stadttor drängte. An der Spitze des Zuges taumelte ein Mensch, der ein schweres Holzkreuz schleppen musste. Und nicht genug,  dass er sich mit dem Gewicht des Kreuzes abmühen musste, er wurde auch noch verspottete und sogar geschlagen.

 

„Ach, der Arme“, piepste der kleine dicke Vogel.

„Er tut mir so leid“, fiel der große ein. „Dass die Menschen einander so quälen. Ich verstehe das nicht. Was das wohl werden soll?“

„Lass uns den armen Mann begleiten“, schlug der kleinere vor.

„Ja“, meinte der große wieder. „Und wir wollen ihm ein Trostlied zwitschern.“

 

Gesagt – getan. Die beiden flogen dem Zug voran und sangen aus Leibeskräften.

Das Rotkehlchen (Foto von Lazlo, weiter bearbeitet von der Homepageherausgeberin)
Das Rotkehlchen (Foto von Lazlo, weiter bearbeitet von der Homepageherausgeberin)
Das Rotschwänzchen (Foto von Marko, weiter bearbeitet von der Homepageherausgeberin)
Das Rotschwänzchen (Foto von Marko, weiter bearbeitet von der Homepageherausgeberin)

 

Danke an Marko & Lazlo, dass sie die Fotos zur Verfügung gestellt haben.


 

 

Jesus, so hieß der Mann, dem so Übles angetan wurde, hörte die Vögel. Er konnte aber nicht zeigen, dass er sich freute, denn zu groß waren seine Schmerzen. Er war vom Hohen Rat der Juden als Verbrecher verurteilt und den Römern, die das Land besetzt hatten, ausgeliefert worden.  Pontius Pilatus, der römische Stadthalter, hatte Jesus daraufhin zum Tode verurteilt. Und nun waren alle unterwegs zum Berge Golgota, wo das Urteil vollstreckt werden sollte – Tod durch Kreuzigung.

O wie grausam war es für die kleinen Vögel mit ansehen zu müssen, wie man Jesus auf das Kreuz legte. Wie man ihm Nägel durch Hände trieb und ihn damit ans Kreuz schlug. Sie konnten vor Aufregung keinen Pieps mehr machen. Ganz starr waren sie vor Schreck. Sie hörten noch wie Jesus betete: „Vater, rechne ihnen diese Sünde nicht an. Sie wissen nicht, was sie tun.“ Doch dann verließen ihn seine Kräfte.

 

„Wir müssen helfen!“, schrie der größere Vogel plötzlich. „Los, wir nehmen dem Henker die Nägel weg!“ Und schon startete er und flog direkt zu dessen Werkzeugkasten. Aber so ein Nagel war sehr,  sehr schwer für so einen kleinen Vogel.

„Los, hilf mir!“, schrie er den kleinen dicken an. Der kriegte einen Riesenschreck, flog aber gleich los, seinem Freund zu helfen. Gemeinsam gelang es ihnen einen Nagel wegzuschaffen. Das kostete sie größte Anstrengung und sie schnauften und pusteten vor Anstrengung. Der Henker fluchte und schimpfte ganz schrecklich, als er merkte, dass ihm ein Nagel fehlte. Doch da nahm er die Füße Jesu, legte sie übereinander und schlug den letzten Nagel durch beide Füße hindurch an das Holz des Kreuzes. Die beiden Vögelchen noch ganz außer Puste sahen es mit Schrecken.

„Wenn alle Leute hier weg sind“, sprach der große zu dem kleineren Vogel, „dann ziehen wir die Nägel einfach wieder heraus.“

„Ja, das machen wir“, schnaufte der kleine Dicke und rang nach Luft. Und wirklich, als die bösen Menschen ihr Werk vollbracht hatten, gingen sie in die Stadt zurück und ließen nur drei Soldaten als Wache da. Doch die kümmerten sich nicht um die Gekreuzigten. Weder um Jesus, noch um die beiden, die mit ihm gekreuzigt worden waren. Sie saßen da und würfelten um deren Kleider. So flogen die beiden Freunde zu Jesus und mühten sich redlich ab, die Nägel aus dessen Wunden zu ziehen. Aber so sehr sie sich auch anstrengten, es gelang ihnen nicht.

„Ich brauche eine Pause“, schnaufte der größere der beiden und setzte sich zu Füßen Jesu. Da fiel ihm ein großer Blutstropften auf seinen Schwanz, so dass er ganz nass war und kaum mehr fliegen konnte.

„Ich geb´ nicht auf“, piepste der kleine Dicke und zog weiter an einem Nagel. Das ging so lange, bis auch ihm ein dicker Blutstropfen auf Kehle und Brust kleckste. Da musste auch er Pause machen, denn mit nassen Federn kann man nicht fliegen.

 

Gerade wollten die beiden sich wieder an ihr hilfreiches Werk machen, da sprach Jesus sie leise an:

„Müht euch nicht länger. Ich weiß, es ist lieb gemeint von euch. Doch es hat alles seine Richtigkeit. Gott Vater hat mir dieses Los beschieden, damit ich die Menschheit rette.“

„Aber wie willst du sie retten, wenn du am Kreuz hängst? Und außerdem: Haben die es überhaupt verdient, dieses Lumpenpack?“

„Man kann sich die Liebe Gottes nicht verdienen“, antwortete Jesus.

„Gott liebt die Menschen – immer. Auch wenn sie mal böse waren. Er vergibt ihnen, wenn sie sich wieder zu ihm bekehren. Er liebt auch mich und euch, die ihr euch so redlich bemüht habt um mich. Er wird euch auszeichnen für euer gutes Werk. Von nun an werdet ihr und eure Nachkommen, die einen ein rotes Schwänzchen haben und die anderen eine rote Kehle. Alle sollen sehen, dass ihr gut ward zu mir – für immer. Ich aber werde auferstehen vom Tod und wiederkommen. Das verspreche ich.“

 

Seit jener Zeit kann man in den Gärten der Menschen immer wieder einmal ein Rotkehlchen oder auch ein Rotschwänzchen sehen. Und wer ihrem Gesang lauscht wird erkennen, dass es Loblieder auf Gottes Güte und Liebe sind.

(Quelle Text: bewegendemomente.net)

 

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Ein musikalischer Exkurs:
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MP3 Audio Datei 3.4 MB

"Wer sich für die Natur keine Zeit nimmt, wird sie auch nie richtig verstehen lernen."

(Homepageherausgeberin, *1966)

 

 

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