Fototour im Morgenlicht: Sonnenblumen und Dorfidyll in Rietheim

Eine noch geschlossene Blüte einer Sonnenblume
Eine noch geschlossene Blüte einer Sonnenblume

Heute zieht es mich mit meiner Kamera im Gepäck hinaus in die Natur. Mein klares Ziel: Das leuchtende Sonnenblumenfeld in Rietheim bei Villingen.

 

Schon auf dem Weg dorthin zeigt sich die Landschaft von ihrer idyllischen Seite. Die jüngsten starken Gewitterregen haben Spuren hinterlassen. Die kleinen Bäche und Nebenflüsse der Brigach führen deutlich mehr Wasser als sonst. Wie eine sanfte Melodie begleitet das rhythmische Plätschern des Wassers diesen Morgen.

Am Wegesrand laden hölzerne Liegebänke dazu ein, kurz die Seele baumeln zu lassen. Ich nutze die Gelegenheit für eine kurze Pause und genieße die frische, klare Morgenluft.

 

(INFO: Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern und wurden mit einer Olympus E-410 aufgenommen. Nur einzelne Bilder wurden mit Bildunterschriften versehen. Folgendes Objektiv wurde genutzt: Olympus Zuiko Digital 9-18 mm; 1:4-5,6)

 

Eine hölzerne Liegebank
Eine hölzerne Liegebank

 

In Rietheim angekommen, entscheide ich mich für einen kleinen, spontanen Abstecher. Mitten im Ort zieht mich die Kirche St. Konrad an. Das historische Bauwerk strahlt am frühen Morgen eine tiefe Ruhe aus – ein wunderbares Motiv, um die friedliche Atmosphäre des Dorfes einzufangen.

 

Das Wunder von Rietheim: Wie eine Dorfkirche den Flammen des Krieges trotzte

  

Der Tag, an dem der Himmel brannte

 

Wir schreiben den Juli 1633. Mitten im Dreißigjährigen Krieg ziehen württembergische Soldaten plündernd durch die Region. Rietheim wird überrannt – und das Herzstück des Dorfes, die bereits 1487 erstmals erwähnte Kirche, geht in Flammen auf. Wo eben noch gebetet wurde, herrschen nun Rauch, Asche und Zerstörung. Es schien das Ende dieses geschichtsträchtigen Ortes zu sein.

 

Ein Dorf hält zusammen: Die Rettung aus Villingen

 

Doch die Geschichte von St. Konrad ist keine Tragödie, sondern eine Erzählung von unerschütterlicher Hoffnung. Die Rietheimer gaben nicht auf. Mit der tatkräftigen Unterstützung der Villinger Geistlichen erhob sich die Kirche wie ein Phönix aus der Asche.

 

Ein faszinierender Mix der Epochen: Die Architektur

 

Wer die Kirche St. Konrad heute betritt, begibt sich auf eine spannende Zeitreise durch verschiedene Jahrhunderte der Baugeschichte:

  • Der barocke Chor (1719): Nach dem Wiederaufbau schenkte Pfarrer Jakob Diem der Kirche ein neues optisches Zentrum. Der kunstvoll gestaltete Chorraum im Barockstil bringt bis heute die typische Pracht und Dynamik dieser Epoche in das Gotteshaus.
  • Die neugotische Verwandlung (1873/74): Bei einer großen Renovierung im 19. Jahrhundert wurde der Innenraum komplett neu gestaltet. Die Kirche erhielt einen filigranen Hochaltar und eine feingliedrige Kanzel im neugotischen Stil. Zusammen mit dem damals neu angefertigten, hölzernen Gestühl verleihen diese Elemente dem Raum seine feierliche, nach oben strebende Atmosphäre.
  • Historischer Friedhof: Die Kirche ist traditionell vom alten, im Jahr 1857 durch eine historische Mauer erweiterten Gottesacker (Friedhof) umgeben, was das denkmalgeschützte Ensemble idyllisch abrundet.

  

 

Nachdem ich mich an diesem Ort eine Weile aufgehalten habe, gehe ich weiter und erreiche mein eigentliches Etappenziel: Das Sonnenblumenfeld. Schon von Weitem zieht mich der Anblick magisch an. Die Sonnenblumen leuchteten in einem so kräftigen, tiefen Gelb, dass man fast die Augen zusammenkneifen muss. Es ist, als hätten tausende kleine Sonnen die Erde berührt.

Beim Näherkommen merke ich schnell: Ich bin hier keineswegs allein. Das Feld summt und brummt vor Leben. Ein echtes Paradies für Insekten! Ich beobachte flinke Bienen und pummelige Hummeln, die von Blüte zu Blüte fliegen. Dazwischen krabbeln leuchtend rote Marienkäfer und elegante Schwebfliegen im warmen Wind.

SONNENBLUMEN-FAKT: Einige Köpfe hängen bereits schwer herab. Genau jetzt reifen die Kerne heran. Diese kleinen Samen sind wahre Kraftpakete und zählen mit ca. 350 mg pro 100 g zu den besten natürlichen Magnesiumlieferanten!

 

Ich liebe diese Blumen, die die Sonne im Herzen tragen. Sie besitzen eine ganz besondere Magie: Sie trotzen jedem Wetter, stehen stolz ihren Mann und lassen sich selbst von stürmischen Böen nicht unterkriegen. Jede einzelne Pflanze erzählt eine Geschichte von Stärke und Stolz.

Völlig fasziniert zücke ich meine Kamera. Durch den Sucher wirkt diese gelbe Pracht noch intensiver. Ich verliere mich im Fokus der Linse, mache Nahaufnahmen der Insekten und fange das goldene Licht ein.

 

Und dann geschieht es wieder: Ich vergesse komplett die Zeit. Als ich auf die Uhr blicke, sind wie im Flug zwei Stunden vergangen. Die Natur hat diese wunderbare Kraft, uns die Hektik des Alltags komplett vergessen zu lassen.

 

Langsam wird es Zeit für die Heimreise. Mein Weg führt mich vorbei an weiten Kornfeldern, die sich wie ein gelb-bräunlicher, samtiger Teppich in die Landschaft schmiegen.

Doch die Idylle wechselt recht schnell ihr Gesicht:

  • Der Wind frischt leicht auf: Die sanfte Brise wird spürbar kühler.
  • Das Licht verdunkelt sich: Das strahlende Blau weicht einem Grau.
  • Das Firmament verfärbt sich: Wolken ziehen sich wie ein Vorhang über den Himmel.

 

 

Ich beschleunige meine Schritte. Genau in der Sekunde, als ich die Haustür hinter mir ins Schloss fallen lasse, prasseln die ersten schweren Regentropfen vom Himmel herab. Glück muss der Mensch haben!

Jetzt sitze ich mit einer warmen Tasse Tee am Fenster, höre dem Prasseln des Sommerregens zu und gehe die Fotos auf meiner Kamera durch....