Ungewöhnliche Tour – Ungewöhnliche Begegnungen – Ungewöhnliche Lokalitäten - Unterwegs mit einer ungewöhnlichen analogen Kamera

Die Vorgeschichte:

 

Es ist nicht allzu lange her, als ich durch ein Youtube-Video auf eine analoge Kamera aufmerksam wurde – die Canon EOS 850. In diesem Youtube-Beitrag wurde sie als eine der schlechtesten Kameras, die Canon jemals gebaut hat, bezeichnet. Zumindest war dies die Meinung des Youtubers. Eine harte Aussage, fand ich, die mir keine Ruhe ließ, zumal kein einziges Beispielbild gezeigt wurde, um diese These darüber hinaus bildlich zu untermauern.

 

Schauen wir uns zunächst kurz diese SLR einmal an:

 

Es ist eine Kamera, die 1988 auf den Markt kam. Das Besondere an ihr: Die Fotografin/der Fotograf kann nichts an ihr einstellen. Weder die Belichtungszeit noch die Blende, noch die Lichtempfindlichkeit lassen sich anpassen.

Auch eine Belichtungskorrektur ist nicht möglich. Alles wird automatisch von der Kamera erledigt.

Und ein weiteres Kuriosum: Sie zeigt einem nicht an, was sie gerade tut. D.h.: Man muss sich gänzlich auf die Technik, die in dieser SLR verbaut wurde, verlassen. Kann man das?

Das ist aber noch nicht alles: Sobald man einen Film in der EOS 850 einlegt hat und die Rückwand schließt, spult die Kamera den Film komplett bis ans Ende ab. Das Zählwerk zeigt die maximale Anzahl der Bilder (z.B. 36) an und zählt bei jeder Auslösung rückwärts bis auf Null. Der Vorteil ist dabei, dass sich der bereits belichtete Film geschützt in der Filmpatrone befindet. Wenn also versehentlich die Rückwand geöffnet wird, gehen die aufgenommenen Bilder nicht verloren. Eine kluge Neuerung.

Die Canon EOS 850
Die Canon EOS 850

Noch zu erwähnen ist, dass die Canon EOS 850 keinen integrierten Blitz besitzt. Das Blitzlichtgerät Speedlite 160E wurde speziell für die Kamera entwickelt. Es handelt sich um eine leichte und kompakte Blitzlichtapparatur, die bei schlechten Lichtverhältnissen und zur Schattenaufhellung ihre Aufgaben erfüllen soll. Sowohl Kamera als auch das Speedlite 160E werden jeweils mit einer 2CR5 6V-Lithiumionenbatterie betrieben. Das ist sehr vorteilhaft, denn:

  1. Man braucht nur ein Batteriemodell für beide Komponenten bei einer Fototour mitzunehmen.

  2. Falls man aufladbare Akkus verwendet, ist nur ein Ladegerät vonnöten. 

Das Konzept, das dahinter steckt, machte mich wirklich neugierig.

Und wie das Leben so spielt, entdeckte ich wenige Zeit später bei einem Fotofachhändler im Internet eine Canon EOS 850 mit dem dazugehörigen Blitzlichtgerät. Beide Geräte waren in einem sehr guten Zustand und so erstand ich Kamera und Blitzlichtapparatur für nicht einmal 50,- € incl. Versand. Ich hätte sie vielleicht bei einem Privatkauf günstiger erhalten können, aber ich hatte durch den Erwerb beim Fachhändler eine Garantiezeit und ein Widerrufsrecht. Bei dieser Kaufoption war ich auf der sicheren Seite.

 

Nach wenigen Tagen hielt ich meine neueste Errungenschaft in der Hand und war recht positiv überrascht. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand und ist auch nicht gerade mit ihren 560g ein Leichtgewicht. Sie machte direkt einen hochwertigen Eindruck auf mich. Ich habe sie zunächst einmal „trocken“ getestet. Natürlich war es zunächst für mich befremdlich, nicht zu wissen, was die Kamera da eigentlich treibt. Man muss der Technik, die in dem Body verbaut wurde, blind vertrauen. Eine ganz andere Erfahrung. Warum eigentlich nicht? In diesem Fall braucht man sich wirklich gar keinen Kopf mehr zu machen, welche Blende, welche Belichtungszeit oder welche Lichtempfindlichkeit man einstellt. Die Kamera macht dies von selbst. Was man lediglich tun muss, ist die Batterie einzusetzen, den Film einzulegen und schon kann man loslegen. Man kann sich ganz und gar den Fotomotiven widmen darauf hoffend, dass die in der Kamera eingesetzte Technik schon alles richtig regeln wird. Einzig und allein ein grünes "P" und eine grüne runde Leuchte im Sucher machen darauf aufmerksam, ob die Belichtung bzw. die Schärfeeinstellung stimmt. Das war`s!

Man muss wirklich Vertrauen können.

Da hilft nur: AUSPROBIEREN!                                                          

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 Die Fototour:

 

Es ist ein wunderschöner Sonntagmorgen. In meinem Fotorucksack befindet sich die Canon EOS 850 bestückt mit einem KODAK Gold 200 Film. Ohne ein festes Ziel und ohne bestimmte Fotomotivsuche im Kopf schwinge ich mich zu früher Stunde auf mein Fahrrad und ziehe los. Ich radle gemütlich durch die Landschaft. Störche und Graureiher sind zahlreich auf den Wiesenflächen zu beobachten. Sie sind mit Nahrungssuche beschäftigt. Auch wenn es nicht so ausschaut, beobachten sie einen ganz genau und sind immer auf der Hut. Ich fahre weiter, bis ich auf ein altes heruntergekommenes Haus stoße. „Das ist ein interessantes Motiv“, ist mein Gedanke und begebe mich dorthin. Das Haus hat schon bessere Tage gesehen: Fenster und Fensterläden sind beschädigt. Aus den Dachrinnen kommen Grasbüschel hervor. Es ist ein schönes Objekt, das eigentlich verdient hätte, wieder beseelt zu werden. Ich stelle mein Fahrrad ab und mache die ersten Aufnahmen.

Gegenüber dem heruntergekommenen Haus steht ein Flachbau. Vor diesem unterhalten sich gerade ein älterer Mann und eine Frau. Ich begrüße sie und wir kommen ins Gespräch. Nach einer Weile lädt uns der ältere Herr ein, ins Gebäude einzutreten. Mit dem, was ich nun sehe, habe ich nicht gerechnet: Es ist eine Halle, in der alte Uhren und Maschinen des vorherigen Jahrhunderts stehen. Es schließen sich weitere Räume an, die mit alten Möbeln bestückt sind. Es ist eine wahres Glück, all diese alten Schätze sehen zu dürfen. Ich frage nach, ob ich Fotos aufnehmen und ich diese in einem Blog-Eintrag veröffentlichen darf. Und zu meiner Freude wird mir dies erlaubt. Der Mann erzählt währenddessen, dass er dieses Objekt vor langer Zeit gebaut hat, um seinen Hobbys nachzugehen. Unter anderem wertschätzt er alte Möbel und Uhren, die er, wenn es nötig ist, selbst repariert und restauriert. Unglaublich! Diese Begegnung kam wirklich unerwartet. Solche Geschichten kann nur das Leben schreiben.

Ich habe mich einige Zeit dort aufgehalten und mir die Dinge in Ruhe angeschaut. Mittlerweile hatte sich die Frau, die mit mir staunend die Räumlichkeiten betrachtet hatte, verabschiedet.

 

Nun will ich zum Schluss doch noch Eines wissen: Was ist eigentlich mit dem heruntergekommenen Haus? Vielleicht kann mir der ältere Herr die Frage beantworten.... Obwohl ihm dieses nicht gehört, kann er mir tatsächlich Einiges dazu erzählen. Das Haus steht seit geraumer Zeit zum Verkauf. Jedoch findet sich kein Interessent. Kein Wunder, denn die Summe, die dafür aufgebracht werden muss, ist beachtlich. Zudem muss das Objekt von Grund auf saniert werden, eine zusätzliche Investition, die sehr viele Kosten verursacht.

Es gibt keine Möglichkeit, selbst fotografisch einzugreifen. Die Kamera gibt einem keine Informationen darüber, was sie eigentlich tut.
Es gibt keine Möglichkeit, selbst fotografisch einzugreifen. Die Kamera gibt einem keine Informationen darüber, was sie eigentlich tut.

► Für mich galt nun Folgendes herauszufinden: Ist eine Kamera schlecht, weil man mit ihr blind fotografiert?

Sicherlich, technisch lernt beispielsweise ein Anfänger nichts mit solch einer Point- & Shoot-SLR, aber man hält immerhin eine Spiegelreflexkamera in der Hand. Falls man mit und mit als Anfänger tatsächlich Freude an der Fotografie empfindet, kann man dann den nächsten Schritt gehen oder wagen. Für Fortgeschrittene ist es, wie bereits oben schon erwähnt, eine Möglichkeit, sich gänzlich auf die jeweiligen Fotomotive zu konzentrieren. Da die Canon EOS 850 einem keine Infos gibt, was sie da veranstaltet, gibt es auch keinen Raum für fotografisch technische Diskussionen, die einem durch den Kopf gehen würden, wüsste man, was die  Kamera eigentlich macht.

Kurz gefasst, handelt es sich hier um ein „Rundum-Sorglos-SLR-Paket“. Fotografieren einmal ganz anders!

 

 

 

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Wie aus einer anderen Zeit:

 

Das Fenster zur Vergangenheit
Das Fenster zur Vergangenheit
Die Werkstatt
Die Werkstatt

Aber wer macht es, wer lässt dieses Haus wieder zum Leben erwecken? Bisher keiner... und so verfällt es zusehends mehr und mehr. Es tut einem weh, dies zu erleben. Das Gebäude hat bestimmt schon Vieles erlebt und hätte bestimmt Einiges zu erzählen. Wer verhilft ihm zu neuer Lebendigkeit? Ich hoffe sehr, dass sich jemand finden wird.... Zu meinem Erstaunen hat der Mann einen Schlüssel zu diesem Haus und ich darf es betreten und einen Blick hineinwerfen. Dunkel ist es hier und nicht ganz einfach, bei diesen Lichtverhältnissen Fotos zu machen. Eine solche Gelegenheit bekomme ich jedoch nicht so schnell wieder und so vertraue ich der Kamera und ihrer Technik. Da ich das Blitzlichtgerät nicht dabei habe, versuche ich, die Canon EOS 850 so still wie möglich in meinen Händen zu halten, um etwaige Verwacklungen zu vermeiden.

Nach einigen Aufnahmen verlasse ich das Objekt. Ich unterhalte mich noch kurz mit dem Herrn und bedanke mich für alles.

Wer hätte das gedacht? Hätte man mir an diesem Morgen erzählt, was ich am heutigen Tag erleben werde, hätte ich das gar nicht für möglich gehalten.

Ich setze mich wieder auf ´s Fahrrad und radle weiter und gehe meinen Gedanken nach. Nachdem ich durch Feld- und Wiesenflächen geradelt bin, komme ich an einem kleinen Gewerbegebiet vorbei und da tut sich eine weitere Überraschung auf: Ich entdecke eine alte Straßenwalze. Sie steht auf einer Wiese vor einem Firmengelände. Voller alter Kraft trotzt sie der Verwitterung. Ich schaue auf das Bildzählwerk meiner EOS 850: Mir verbleiben noch zwei Bilder, die ich aufnehmen kann. Diese widme ich nun dieser alten ausgedienten Gerätschaft.

 

Was soll ich sagen: Ich habe Ungewöhnliches mit einer ungewöhnlichen Kamera erlebt. Da dieses Erlebte nicht ohne Weiteres ein zweites Mal vorkommen wird, bin ich nun sehr gespannt, ob ich auf diese Kamera bauen konnte und zukünftig kann.....

 

In der Zwischenzeit habe ich den Film bei einem Filmlabor meines Vertrauens entwickeln lassen und mein Fazit ist: Die Kamera ist hervorragend. Mit ihr kann man exzellente Bilder aufnehmen. Die Bildgestaltung und die Wahl der Motive liegen immer noch in der Hand der Fotografin bzw. des Fotografen. Diese Verantwortung obliegt gänzlich ihnen. Die Canon EOS 850, so ungewöhnlich und so speziell sie auch sein mag, ist meiner gemachten Erfahrung nach ein sehr lohnendes fotografisches Instrument.

 

Ich persönlich kann nicht das Urteil, das in dem Youtube-Video über die Canon EOS 850 gefällt wurde, teilen.

 

Hier präsentiere ich nun einige Fotos, die an diesem außergewöhnlichen Morgen aufgenommen wurden. Bildet euch nun selbst ein Urteil.....

 

Das verlassene & heruntergekommene Haus:

(INFO: Alle Fotos - bis auf die Aufnahmen der Kamera selbst - wurden mit einer Canon EOS 850 aufgenommen und lassen sich durch Anklicken vergrößern. Nicht alle Bilder wurden mit Bildunterschriften versehen.

Folgendes Objektiv kam zum Einsatz: Canon ZOOM EF 35-105 mm; 1:3,5-4,5 Macro)

 

 

Das Gebäude gegenüber - Ein ungewöhnlicher Hobby- & Aufenthaltsort:

 

Die alte Straßenwalze: