Ziel einer Wanderung....

Eine Grabstätte auf dem Villinger Friedhof
Eine Grabstätte auf dem Villinger Friedhof

Es ist Frühlingsanfang, als ich mit meiner analogen Kamera am frühen Morgen zum Villinger Friedhof aufbreche. Die Sonne ist bereits aufgegangen. Hier und da befinden sich Wolken am Firmament, die während meiner Unternehmung immer zahlreicher erscheinen.

Die Temperatur ist im einstelligen Bereich, knapp über der 0°C-Grenze.

Das Gehen hält meinen Körper warm. Ich durchwandere eine hügelige Landschaft, die teilweise von bewaldeten Arealen bedeckt ist. Felder, bestückt mit zahlreichen Sträuchern, prägen vorrangig die Region. Hier entstehen meine ersten Aufnahmen, heute analog. Es ist immer wieder spannend, die analoge Welt der Fotografie zu beschreiten, denn man überlegt genau, was man aufnimmt. Schließlich ist die Anzahl der Bilder auf einer Filmrolle begrenzt. Ich habe heute zwei Filmrollen dabei (Fomapan 200 Creative), die jeweils 36 Aufnahmen erlauben. Manchmal sind es 37 oder gar 38, wenn man Glück hat. 

 

Die Landschaft:

(Allgemeine Info: Die Aufnahmen erfolgten mit einer Minolta Dynax 60. Diese können durch Anklicken vergrößert werden. Nicht alle Bilder wurden mit Bildunterschriften versehen. Folgendes Objektiv kam zum Einsatz: MINOLTA AF ZOOM 28-200 mm; 1:3,5 (22)-5,6 D)

 

Kurz vor 9.oo Uhr erreiche ich schließlich den Villinger Friedhof. Ich habe den Friedhof noch nie zuvor gesehen und bin sehr neugierig, was mich hier erwartet. Aber warum einen Friedhof fotografieren? Was macht Friedhöfe so besonders?

Der Friedhof ist mehr als nur ein Bereich, wo Verstorbene ihre letzte Ruhestätte finden. In einer Welt, die sich gefühlt im Minutentakt wandelt, hat man die Empfindung an einem Ort zu sein, der nicht von dieser Schnelllebigkeit eingenommen wird. Die Örtlichkeit, die wie keine andere Leben und Tod verbindet, ist ein Gegenpol zu Hektik, Lärm und Geschwindigkeit unserer Zeit. Das macht Friedhöfe in dieser "ver-rückten" Welt meines Erachtens so besonders. 

Friedhöfe bilden Brücken zwischen zwei Welten: Die Welt der Lebenden und die Welt der Toten. Obwohl die Seelen nicht hier verweilen, ist es für viele der Hinterbliebenen eine Möglichkeit, ihre Trauerarbeit zu bewältigen. Dazu gehört beispielsweise die Pflege des Grabes einer verstorbenen Freundin/eines verstorbenen Freundes oder einer Angehörigen bzw. eines Angehörigen. An manchen Grabstätten ist zu beobachten, dass Menschen mit ihren verstorbenen Lieben sprechen. Der Friedhof gibt der Trauer einen festen Ort. Es ist nicht nur ein "Treffpunkt" mit den Toten, sondern auch ein Areal, sich ganz persönlich mit dem Leben und mit dem Tod zu beschäftigen, sein Leben zu hinterfragen und sich damit auseinanderzusetzen.

Ich betrete, wie bereits erwähnt, zum ersten Mal diesen Friedhof und bin sehr überrascht, wie viele alte Grabsteine ich dort vorfinde. Manche sind weit über 100 Jahre alt. Auf einigen lassen sich kaum noch die Namen der Verstorbenen erkennen, auf einigen steht genau beschrieben, welcher Tätigkeit der jeweilige Mensch nachgegangen ist. Jeder Grabstein erzählt eine Geschichte, die Geschichte der Menschen, die einst hier gelebt und gewirkt haben oder der Menschen, die durch zwei Weltkriege aus ihrem jungen Leben gerissen wurden. 

 

Der Friedhof ist eine Örtlichkeit nicht nur der Trauer, sondern auch der Erinnerung und ein Ort, der uns bewusst macht, das irdisches Leben endlich ist. Jeder Tag, den wir hier auf Erden leben, ist ein Schritt näher zum Tod. Mehr als ein Grund jeden Tag bewusst im Hier und Jetzt zu leben....

 

Der Friedhof:

(Hinweis: Alle Aufnahmen lassen sich per Anklicken vergrößern. Auf Bildunterschriften wurde bewusst verzichtet.)

 

 

"Das Erreichen des irdischen Ziels bedeutet nicht das Ende der Seelenwanderung."

 

(von der Homepageherausgeberin)