Naturschätze entlang eines Wassergrabens im Wald

Wie durch Milchglas blickend
Wie durch Milchglas blickend

 

Als ich heute auf Tour bin, ist der Himmel grau. Die Sonne lässt sich nur wie durch ein Milchglas erblicken. Ich bin mit einer Kamera unterwegs, die mich an vergangene Zeiten erinnert, als ich gerade begann mich mit etwas „größeren“ Digitalkameras zu beschäftigen. Es ist eine Panasonic Lumix DMC-FZ38, die ich vor einiger Zeit sehr günstig erwerben konnte. Mit einem Stück „Vergangenheitsgeschichte“ in der Hand mache ich mich auf ein neues Fotoabenteuer.

 

Der Selfkant hat einige kleinere Waldgebiete. In ihnen sind teilweise wahre Schätze vorhanden, nämlich in der jüngsten Zeit entstandene naturnahe Waldareale. Hier ist die Rede von Flächen, wo Bäume beispielsweise durch Sturm abgeknickt oder abgebrochen sind und liegen gelassen wurden oder von Flächen, wo herabgefallene Äste und Laub, die in großen Mengen den Waldboden bedecken, so belassen wurden wie sie sind, ohne dass der Mensch in irgendeiner Form in das Ökosystem Wald eingegriffen hat. In solch einem Gebiet befinde ich mich gerade.

Viele Wassergräben durchziehen die Wälder des Selfkants und so auch das hiesige Areal. Vor einigen Tagen hat es kräftig geregnet. Es war, wie ich es gerne bezeichne, ein durchdringender Regen, der durch Mark und Bein ging und die Böden mit Wasser sehr gut versorgt hat. Ein wahrer Segen für den krisengebeutelten Wald!

(Alle Bilder wurden mit einer Panasonic Lumix DMC-FZ38 aufgenommen und lassen sich bis auf das letzte Bild per Anklicken vergrößern)

 

In Wassernähe abgefangen
In Wassernähe abgefangen

 

Etwa fünf bis zehn Prozent eines Waldes sollten Totholz sein, um eine gute Biodiversität (Vielfalt der Arten) zu sichern. Eichen können bis zu 700 Jahre alt werden, Fichten bis zu 600 Jahre, Buchen sterben bereits nach 250 Jahren eines natürlichen Todes. Deshalb ist Totholz in den heimischen Wäldern wie hier in unserer Region meist jünger: Es entsteht durch Stürme, Schneedruck oder Blitzschlag. Auch abgebrochene Äste zählen zu Totholz und fördern die Stabilität des Ökosystems, wenn man sie in Ruhe sterben und verrotten lässt.

 

WISSENSWERTES:

Die Dauer, bis Holz zu Humus zersetzt wird, hängt von der Baumart und von den klimatischen Bedingungen im Wald ab. Gerbstoffreiche Bäume wie die Eiche sind auch nach 100 Jahren noch nicht verrottet. Buchenholz verrottet rascher, bei einer Pappel im Auwald reichen schon 20 Jahre.

Beim Laub verhält es sich aber ganz anders: Eichenlaub verrottet zum Beispiel viel schneller als Buchenlaub.

 

Wenn Bäume zerfallen - Ein langsamer & langjähriger Prozess:

 Als ich mich in dem naturbelassenen Waldstück umschaue, gehe ich an einem Wassergraben entlang, der noch vom letzten Regen gut gefüllt ist. Es ist so, als ob man sich an einem anderen Ort befände. Die überall verstreut liegenden Äste und Bäume verleihen einem das Gefühl sich in einem ursprünglichen „wilden“ Wald aufzuhalten. Es ist ruhig hier. Nur die Laute der Vögel sind zu vernehmen. Die Luft, die man einatmet, ist kühl und klar und gibt einem Kraft. Teilweise stehen in diesem Areal 70- bis 80-jährige hoch in den Himmel ragende Pappeln. Ehrfurcht überkommt mich, als ich vor ihrem mächtigen Stamm stehe und nach oben gen Himmel schaue.

 

Ein prächtiger Pappelstamm
Ein prächtiger Pappelstamm
Ehrfürchtig gen Himmel blickend
Ehrfürchtig gen Himmel blickend

Moosinseln
Moosinseln
Der Pilz & die kleine Schnecke
Der Pilz & die kleine Schnecke

Alles, was auf den Waldboden fällt, ist wie ein Teil eines riesigen Fabrikbetriebes.

Moderndes Holz ist wichtig, da sich darin Samen sammeln können, die auf dem verfallenen, von Moos bewachsenen Holz besser keimen als auf Waldboden.

Für Flechten, Moose und Pilze sind abgestorbene Bäume unerlässlich. Und wenn ich mich hier so umschaue, gibt es kaum ein Gehölz, wo keine Moose wachsen. Überall kommt ihr saftiges Grün zum Vorschein. Das in der Vergangenheit gefallene kühle Nass hat ihr Wachstum mächtig gefördert. Auch Flechten mischen sich unter ihnen. Baumpilze sind mit von der Partie.

Flechten, Moose und Pilze können die schwer verwertbaren Substanzen eines abgestorbenen Baums wie Zellulose und Lignin, die dem Baum eigentlich seine Festigkeit verleihen, aufschließen.

Man hat herausgefunden, dass von ca. 5000 im Wald bekannten Pilzarten etwa die Hälfte in und am Totholz lebt.

Bei den in Deutschland bekannten Käferarten sind sogar 30 % an Totholz gebunden.

 

Vergänglichkeit kombiniert mit Nutzen
Vergänglichkeit kombiniert mit Nutzen

Es ist ein wahrhaftig schöner Ort, ein Schatz, ein Diamant. Ein Ort, den ich sehr ungern verlasse.

 

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich `s sein.“

(Satz aus „Osterspaziergang" von Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)                               

 

 

Eine Fototour durch den Lebensraum "Naturnaher Wald":

 

 

 

DER BAUM - EIN WAHRER FREUND

 

Ein Baum läuft nicht weg, er hört Dir zu, er beurteilt nicht die Dinge, die Du ihm erzählst, er stellt sie nicht infrage, er glaubt Dir.

Du kannst ihm vertrauen.

Lediglich was er behält und nie vergisst, ist, wie Du ihn behandelst, denn er ist ein Lebewesen wie Du, das fühlt und unterscheiden kann, ob Du ihm schadest, ob Du mit ihm liebevoll umgehst oder ob Du ihm gefühlvoll begegnest.

Er ist ein kostbarer Schatz im Leben eines jeden Lebewesens auf Erden.

Er schenkt Dir die Luft, die Du zum Atmen brauchst, er gibt Dir Kraft.

Der Baum – ein wahrhaftig echter Freund!

 

                                                                       (von der Homepageherausgeberin, * 1966)                    

 


"Wer sich für die Natur keine Zeit nimmt, wird sie auch nie richtig verstehen lernen."

(Homepageherausgeberin, *1966)

 

 

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