Das sich selbst überlassene Waldgebiet

Der naturbelassene Wald
Der naturbelassene Wald

 

Ich gehe auf neue fotografische Entdeckungstour und erkunde einen Wald, der sich an der deutsch-niederländischen Grenze befindet. Nur ein Wassergraben trennt die beiden europäischen Staaten voneinander. Es handelt sich um ein naturbelassenes Waldstück. Viel Totholz in unterschiedlicher Form ist hier vorzufinden: Abgefallene Äste, auf dem Boden liegende z.T. abgesägte Baumstümpfe und Bäume, Wurzeln, durch Sturm abgeknickte Bäume und Baumstämme, die zwar noch stehen, aber keine Krone mehr tragen werden.

(Alle Bilder wurden mit einer Sony Alpha 37 aufgenommen & lassen sich per Anklicken vergrößern)

 


Ein Wassergraben trennt zwei europäische Staaten
Ein Wassergraben trennt zwei europäische Staaten

 

Der Wald ist ein komplexes Ökosystem und hat nach den Meeren den bedeutsamsten Einfluss auf das globale Klimageschehen. Wälder senken wirksam den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre und sind die wichtigsten Sauerstoffproduzenten.

 

Tote und absterbende Bäume haben einen besonderen Stellenwert im Wald. Es sind meistens Pilze oder Insekten, die einen geschwächten Baum befallen. Sie zersetzen das Holz und das Laub. Dadurch öffnen sie eine Tür für viele andere Tiere und Pilze, die nun den Baum als Nahrungsquelle, Lebensraum oder Brutstätte nutzen können. Wo Insekten sind, da sind auch Vögel nicht weit, die sich über das neue Nahrungsangebot freuen. Und in der Tat: Als ich hier den naturbelassenen Wald begehe, sind viele Singvögel zu hören. Im Verlauf des Jahres wird man immer mehr Stimmen vernehmen und zwar dann, wenn all die anderen gefiederten Lebewesen aus ihren Winterquartieren in die Region zurückgekehrt sind. Spechte klopfen an den toten Stämmen und bauen die bekannten Spechthöhlen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Spechthöhlen sind sehr begehrt. Sie dienen verschiedenen Vogelarten wie dem Star als Nistplatz. Auch die Siebenschläfer nutzen die vorgefertigten hohlen Behausungen als Wohnquartier. Ein abgestorbener Baum ist voller Leben, sodass auch Säugetiere von ihm als Nahrungsquelle profitieren. Fledermäuse fangen in der Dämmerung fliegende Insekten und auch ein Wildschwein verschmäht einen dicken Käfer oder dessen proteinhaltigen Larven nicht.

Kurz um: Totholz sorgt für Artenvielfalt.

 

Der lächelnde Baumpilz
Der lächelnde Baumpilz

 

Der Wald ist auf das Totholz angewiesen. Bäume entziehen zu Lebzeiten dem Waldboden Nährstoffe. Umso wichtiger ist es dann, dem Boden diese auch wieder zurückzuführen. In den Blättern, Nadeln und in der Rinde sind besonders viele Nährstoffe enthalten. Ein nährstoffreicher Boden ist positiv für den Wald, denn dieser bietet Bäumen gute Wachstumsbedingungen. Zudem beherbergt ein nährstoffreicher Boden deutlich mehr Mikroorganismen, die das organische Material schneller zersetzen. Zusätzlich wird der Boden durchlüftet und aufgelockert. Dadurch kann er mehr Wasser aufnehmen und speichern. Die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zwischen den Pflanzen ist geringer, die Bäume wachsen schneller und sind letztlich weniger anfällig für Schäden.

 

Die "Moospflanze"
Die "Moospflanze"

 

 

Moose und Flechten benötigen ebenfalls das Substrat, das aus dem Totholz hervorgeht. Überall, wo ich gehe und schaue in diesem Waldstück, sind grüne Moos- und Flechtenflächen zu sehen. Moose sind wichtige Wasserspeicher. Sie können größere Mengen an Wasser speichern und dieses in Trockenperioden langsam abgeben. Sie regulieren so auf natürliche Weise den Wasserhaushalt in der Natur. Flechten sind wichtige Indikatoren für die Luftqualität in der Umgebung.

Ich befinde mich mitten in einer Naturoase und genieße den Aufenthalt an diesem besonderen Ort.

Jede Ecke, jeder Winkel begutachte und bewundere ich. Das war bestimmt nicht mein letzter Besuch an diesem wunderbaren Ort.

 

 

 

 

Traumort "Naturwald":

(Fotos lassen sich durch Anklicken auf das Kreuz vergrößern)

 

 

Als ich den Wald verlasse, kann ich auf angrenzende grüne Felder schauen. An einem Baumast hat ein Vogelfreund einen Meisenknödel aufgehängt, der sehr gerne frequentiert wird:

 

Am "Meisenknödelsupermarkt":

 

Wenn langsam der Frühling kommt:

 

Frühlingsboten am Feldrand - Krokusse
Frühlingsboten am Feldrand - Krokusse

Das Fotoabenteuer ist wie im Fluge vergangen und es wird Zeit nach Hause zu gehen. Die Tour hat beeindruckende Spuren bei mir hinterlassen. Spuren, die nicht auszulöschen sind, denn sie haben sich tief in meinem Naturherz eingegraben....

 

Auf dem Heimweg
Auf dem Heimweg
Feuchtwiesen im Sonnenlicht
Feuchtwiesen im Sonnenlicht

"Wer sich für die Natur keine Zeit nimmt, wird sie auch nie richtig verstehen lernen."

(Homepageherausgeberin, *1966)

 

 

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